An die Karosserie: flexen, einpassen und schweißen

An die Karosserie: flexen, einpassen und schweißen

  • 22. Januar 2018

Da stand er nun, unser „Kraftprotz ohne Herz“. In unserem letzten Beitrag haben wir euch bereits beschrieben, wie wir unseren #communitypolo zerlegten und die ersten Ersatzteile beschafft haben.

Seitdem hat sich wieder eine Menge getan. Hier unser topaktuelles Polo-Update für euch. Achtung – es wird ein wenig technisch 😉

Step 1: Demontierung des Vorderwagens

Da die Anbindungspunkte bei der Kinematik eines Rennwagens die wichtigsten Bestandteile zum perfekten Setup sind, war dies unser erstes großes Vorhaben. Zunächst demontierten wir den Vorderwagen komplett, um ihn dann sorgfältig zu vermessen. Hierfür wurden die entscheidenden Fahrwerkspunkte als erste Referenz genommen. Im 3D Messsystem haben wir uns dann die Position vom Domlager (links und rechts), die Anschraubpunkte der Vorderachse und die der Lenkung angesehen.

Step 2: Überprüfung und Analyse der Messdaten

Es war nun sehr leicht zu erkennen, dass der rechte Längsträger unseres Polos durch den Unfall 20-30 cm verschoben war. Die Längsträger sind durch verschiedene Bauteile miteinander verbunden. Dadurch hätte es sein können, dass auch der linke Fahrzeugseite betroffen ist.

Gute Nachricht und Aufatmen bei uns: der Längsträger auf der Fahrerseite hat sich nicht verzogen und somit bei dem Unfall auf dem Nürburing – VLN 7 keine Blessuren von sich getragen. Die Position vom Domlager und die Anbindungspunkte sind in Position.

Schlechte Nachricht: der Längsträger auf der Beifahrerseite hat sich durch den Unfall ziemlich stark gestaucht und ist daher eingeknickt. Er hat beim Aufprall die komplette Energie aufgenommen – was hierbei den Fahrer schützt. Zusätzlich ist der Frontträger abgerissen, wodurch wichtige Teile am Motor geschützt wurden. Das Domlager (die Aufnahme für den Dämpfer) ist in Position, aber alle angrenzenden Bauteile (Radhaus, obere- und untere Längsträger und die Aufprallplatten) sind definitiv defekt.

Somit hat der Längsträger als sicherheitsrelevantes Bauteil seine Arbeit getan. Wir haben uns dazu entschieden, ihn  zu ersetzen. Safety first!

Step 3: Eigensteifigkeit in der Karosserie verringern

Bei dem Unfall haben große Kräfte und Energien auf den Fahrer und auf das Fahrzeug gewirkt. Ein Großteil hat – Gott sei Dank – die Leitplanke auf dem Nürburgring auffangen können. Den anderen Teil hat der Vorderwagen absorbiert. Da dieser bereits kaltverformt wurde, hat er eventuell Spannungen zu den angrenzenden Bauteilen wie der Spritzwand generiert. Damit uns das Heraustrennen leichter fiel, haben wir ihn grob in die Ursprungsposition zurück gebogen und danach begonnen heraus zu trennen. Wir haben dies auf einer Richtbank hydraulischen realisiert und so die Eigensteifigkeit verringert.

Step 4: Fleißarbeit – Heraustrennen der Blechteile

Die Blechteile sind in der Serie ursprünglich mit Schweißpunkten verbunden. Das Gute ist, dass sie ihre Arbeit besser denn je getan haben – was jedoch mehr Arbeit beim Entfernen bedeutete. Knappe 2 Wochen hat es gedauert, bis die Schweißpunkte aufgebohrt und die Nähte aufgetrennt waren. Hier ein kleiner Blick in unsere Schadensbox mit all den herausgetrennten Teilen:

Step 5: Neuteile beschaffen – anheften und durchschweißen

Weiter geht’s: Nachdem wir die Blechteile beim Vertragshändler bestellt haben, konnten wir sie direkt 2 Tage später abholen – Längsträger, Radhaus, Aufprallplatten und Aggregatlager waren bereit zur großen Operation. Gekostet haben uns diese Blechteile 745,00 €. Eine beachtliche Summe, die wir uns Dank Crowdfunding-Aktion leisten konnten. An dieser Stelle noch einmal ein riesen Dankeschön an euch alle! Man kann es ja nicht oft genug sagen, wie sehr ihr uns damit geholen habt! 😉
Nachdem wir dann das letzte Unfallteil entfernten, haben wir die Neuteile mit Halteklammern grob in Position gebracht und  mit Schweißpunkten vorgeheftet. Im Anschluss wurde das Richtwerkzeug bestellt.

Das Richtwerkzeug dient dazu, die vom Hersteller vorgegebenen Messpunkte zu überprüfen und nach dessen Vorgaben sicherzustellen. Da dieses Werkzeug sehr teuer ist und keine Werkstatt für alle Fabrikate und Modelle ausgerüstet ist, wird es weitestgehend ge- und vermietet. Wir haben das Werkzeug also für 2 Tage gemietet und versucht, die Mietdauer so kurz wie möglich zu halten. Gesagt – getan: Nach nur einem Arbeitstag war das Richtwerkzeug nun wieder aufgebaut und in korrekter Position.

Ab sofort war nun das Schweißgerät unser bester Freund. Wir haben alle Teile sorgfältig gepunktet und durchgeschweißt sowie in die richtige Postion gebracht.

Bald geht’s weiter…

Was für ein ein Kraft- und Fleißakt! Ein wichtiger Schritt ist nun jedoch beim Aufbau unseres Polos getan. Ein wirklich toller Moment. Vielleicht kann der kleine Rennwagen nun bald wieder auf eigenen Beinen stehen oder sogar aus eigener Kraft fahren. Als nächstes steht die Grundierung, das Lackieren und die Erstmontage der Bauteile an. Seid wie immer gespannt – wir halten euch auf dem Laufenden!

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

  1. Die Liga der Außenseiter - Offtrack Performance haucht dem Polo neues Leben ein
    23. Januar 2018

    […] den Spross aus dem VW-Konzern schon bald wiedersehen werden. Auf der Webseite beschreibt das Team in ausführlichen Berichten, welche Baumaßnahmen gerade realisiert werden und in welchem Umfang diese vorgenommen […]

Hinterlasse ein Kommentar