Kommunikation im Motorsport: Funk oder Handy?

Kommunikation im Motorsport: Funk oder Handy?

  • 4. März 2018

Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, sind wir derzeit fleißig am Wiederaufbau unseres Polos, über den wir schon öfter berichteten. Heute wollen wir euch einen ersten Einblick in unser Equipment geben, das wir derzeit prüfen & aufstocken.

Kommunikation an der Rennstrecke

Im Motorsport gewinnt der Fahrer nicht nur wegen des Autos. Auch das passende Equipment an der Rennstrecke ist ein wichtiger (und nicht zu unterschätzender) Faktor. Unser Offtrack Rennteam besteht nicht nur aus Mechanikern, Renn- und Performance-Ingenieuren, Fotografen und Helfern – sondern glücklicherweise seit neustem auch aus einem erfahrenen Elektriker und einem IT-Spezialisten – unsere beiden neuen Funktechniker Nils und Christopher. Noch einmal herzlich willkommen an die Beiden – jetzt starten wir kommunikativ erst so richtig durch!

Während der Rennen im Motorsport ist die Kommunikation des Fahrers zum Renningenieur und dem Rest des Teams das A und O. Angefangen haben wir (wie wohl die meisten Neueinsteiger) mit einem Handy im Fahrzeug. Das ist natürlich nicht nur unprofessionell, sondern auch manchmal echt gefährlich. Deshalb haben wir die Winterpause zum Update des Equipments genutzt und uns zuerst die Funkanlage vor die Brust genommen. Für welche Anlage wir uns entschieden haben und was die großen Vor- und Nachteile der verschiedenen Kommunikationswege sind – darüber erzählen wir euch heute mehr. Eventuell hilft es dem Einen oder Anderen bei der Entscheidung, ob ein Funksystem in Frage kommt und in welcher Situation es notwendig ist.

Funk im Motorsport: Must-Have oder Nice-To-Have?

Auf den meisten Rennstrecken ist Funk nur optional bzw. wünschenswert. Auf der Grandprix-Strecke reicht eine Boxentafel oder Schilder zur Kommunikation zwar aus, aber zur Strategie-Absprache wie z.B. der richtigen Reifenwahl, dem Wetter oder dem Status der Platzierung, ist die grüne Hölle mit viel Respekt zu genießen. Auf der tückischen Nordschleife ist die Kommunikation über Funk unumgänglich. Es gibt nicht nur verschiedene Vorschriften, sondern auch Möglichkeiten, um eine Kommunikation zum Fahrer herzustellen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile – die wir euch gern ein wenig genauer erklären wollen.

Verbindung via Handy

Sehr oft nutzen Rennteams die Verbindung zum Fahrer mithilfe eines Handys. Das Handy wird dazu einfach im Rennfahrzeug eingebaut und der Fahrer wird mit einer Gegensprechanlage angeschlossen. Zum Rennbeginn wird der Fahrer angerufen und dann wird über eine dauerhaften Verbindung versucht zu kommunizieren.

Vorteile Handyverbindung:

  • Installation und Inbetriebnahme sind kinderleicht & verlangen keine besonderen Kenntnisse
  • geringe Kosten
  • besonders zu Beginn im Motorsport wird jeder Cent mehrfach umgedreht und nur das Notwendigste gekauft, worunter auch die Funkanlage zählt. Jedoch wissen viele Teams sich hier mit den einfachsten Dingen zu helfen. Die Adapter und Kabel für das Handy können selbst gebaut werden (es lebe der wahre Motorsport – DO IT YOURSELF!). Dann natürlich das Handy selbst (am besten eignen sich alte Nokias aufgrund der Akkulaufzeit) und die Gegensprechanlage, die dem Fahrer keine Druckstellen hinterlassen sollte.

Nachteile Handyverbindung:

  • Funklöcher im Handynetz führen zu Verbindungsstörungen zum Fahrer
  • Verbindungsunterbrechung nicht einschätzbar – Funklöcher treten an verschiedenen Stellen der Rennstrecke auf
  • Verantwortlichkeit der Kommunikation über Handy liegt bei nur einem Teammitglied -> es kann nicht einmal schnell jemand anderes aushelfen und dem Fahrer eine Info geben, da nur Einer am Boxenstand das Handy am Ohr haben kann
  • schlechte Klänge der Freisprecheinrichtung bei einigen Helmen und Handys erschweren die Verständigung zusätzlich -> dies sollte vorher sensibel geprüft werden

Ein Beispiel für die Nachteile der Handynutzung zeigt leider unser Rennen beim VLN Lauf Nummer 08 im vergangenen Jahr. Dort betreuten wir einen Scirocco GT24. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit haben wir ein Handy für die Kommunikation verbaut. Bei zwei von drei Fahrern lief alles einwandfrei, der dritte konnte uns aber leider nicht hören. Die Umgebungsgeräusche waren viel zu laut und dadurch ist es in einigen Passagen unmöglich für uns gewesen zu kommunizieren.

Fazit Verbindung via Handy: Wenig oder kein Budget? Drückt wie immer die Zeit und die Fahrer sind nicht anspruchsvoll? Dann könnt ihr die Kommunikationsalternative Handy wählen. Wenn dies nicht zutrifft, lest unbedingt weiter: eine Funkanlage kommt ins Spiel.

Verbindung über Funk: analog oder digital?

Eine Funkanlage benötigt mehr Vorbereitung als „nur“ ein einfaches Handy. Die erste Frage ist, ob die Anlage digital oder analog sein soll. Analog ist hierbei die ältere Variante und daher auf dem ersten Blick kostengünstiger bei der Inbetriebnahme und Nutzung. Digital hat deutlich modernere und einfachere Konfigurationsmöglichkeiten und eindeutig bessere Funkqualitäten.

Wir haben uns aufgrund der Kosten erst einmal für die analoge Variante entschieden: ein Motorola für das Rennfahrzeug und ein Handfunkgerät für die Kommunikation in und aus der Box.

Der Nachteil der analogen Variante ist jedoch, dass immer ein leichtes Rauschen und Nebengeräusche für Fahrer und Boxencrew zu hören sind. Trotzdem geben wir der analogen Funkanlage eine Chance und testen sie.

Im nächsten Beitrag erzählen wir euch dann mehr – von den Vorbereitungen des neuen Funksystems bis hin zur Installation. Ein Glück stehen uns nun Nils und Christopher zur Seite 😉

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