Zwei Teams – ein Ziel: So war das 24h-Rennen

Zwei Teams – ein Ziel: So war das 24h-Rennen

  • 18. Mai 2018

Was war das für ein unvergessliches Wochenende! Ein Wochenende, an dem Träume wahr wurden, zwei völlig fremde Teams zu einem wurden, Christus uns all seine Facetten zeigte, es eine Menge Höhen und Tiefen gab und nur ein paar Stunden vor Ziel das Hoffen und Beten. Wir teilen heute mit euch unser bisheriges Highlight in der Offtrack-Geschichte: das 24h-Rennen am Nürburgring.

Aus Visionen wurde Realität

Noch vor 7 Wochen stand eine Vision im Raum, die großes Engagement und Organisationstalent voraussetze: Marco (unser Fahrer), Lasse (Teamchef von Offtrack) und Frank (Teamchef von Sharky Racing) waren sich einig – die Teilnahme des Golf TCR am 24h-Rennen in wenigen Wochen kann möglich werden, wenn ab sofort an Jeder mit anpackt. Offtrack Performance und Sharky Racing: 2 Teams – 1 Rennen – 1 Golf und eine 24-stündige Challenge. Der Golf 7 TCR hat seine Jungfernfahrt nicht auf irgendeinem Rennen absolviert, sondern direkt am härtesten Rennen der Welt, ganz nach dem Motto: Wenn wir etwas machen, dann richtig!

Die ganze Woche am Ring

Nachdem die vielen organisatorischen Dinge bis zur letzten Minute vor Abfahrt geregelt werden mussten – hier noch eine Haube und Ersatzteile bestellt, da ein Tracking-System programmiert und Aufgaben innerhalb des Teams vergeben – schon ging es am Montag-Früh für Lasse und Marco in die Eifel, um dort Frank Hess von Sharky Racing zu treffen. Die 4 Tage nutzten wir gemeinsam, um die Box und das Fahrerlager aufzubereiten, Papierkram für die Anmeldung der Fahrer zu erledigen, durch die technische Abnahme zu kommen, zu den Adenauer Racing Days zu gehen – und vor allem für Marco – für die mentale Vorbereitung. Es ist doch schon seit Jahren sein größter Traum, dieses Rennen zu fahren. Dieses Jahr sollte es Realität werden.

Die Teams

Am Mittwoch reiste der Rest unseres Teams an, um tatkräftig zu unterstützen. An dieser Stelle an all die großartigen Helfer, Fans, Fahrer, Sponsoren, Unterstützer, Organisatoren und Livestream-Mitfieberer ein riesen großes DANKESCHÖN vom Herzen! Ohne euch hätten wir dieses einzigartige Event nicht miterleben und die wertvollen Erfahrungen sammeln können.

Training und Qualifying

Die Nervosität steigt, gleich geht’s los für Fahrer und Team. Ein letztes Team-Meeting zum Besprechen der Aufgaben und schon wird sich warm gemacht. Ob die beiden Teams die  vielen Herausforderungen meistern können? Alle sind gespannt, aufgeregt und geben ihr bestes. Das Training beginnt, der Golf fliegt über den Ring, alles funktioniert. Als hätten Offtrack und Sharky nie etwas anderes gemacht 🙂 Hier und da gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten, doch so soll es sein bei einem Rennen. Bis in die Nacht läuft das Qualifying 1 ohne größere Probleme, bis auf einen Ausrutscher ins Grüne zum Schluss. Keiner verletzt und kein großer Schaden, wir haben das Problem analysiert und dann auch wieder behoben. Zum Glück ist uns so etwas nicht zum Rennen passiert. Um 2 geht’s ins Bett – ausschlafen für Freitag und das Qualifying 2. Die Fahrer fühlen sich wohl, alle System funktionieren. Wir sind alle bereit für Samstag und den großen Start.

Das 24h-Rennen

Die Nacht zu Samstag war ruhig, man spürte jedoch die Anspannung und Aufregung. Marco holt sich einen letzten Café im Hotel bevor es an den Ring geht. Wir waren wohl nicht die Einzigen mit der Idee, am Samstag-Morgen an den Nürburgring zu fahren. Der Stau reichte bis einige Kilometer vor die Strecke. Parkplatz gesichert und ab geht’s ins Fahrerlager. Um 13 Uhr gab es das letzte wichtige Meeting mit aufmunternden Worten von Lasse und Christoph, dem Car-Chief des Golf TCR. Alle sind bereit, motiviert und wollen die Motoren röhren hören. Gemeinsam gehen wir zur Startaufstellung und genießen diesen tollen Moment. Das letzte Teamfoto vor Start, ein paar Autogramme schreiben und Interviews führen und ab in die Box. Es geht gleich los.

Als erstes darf Stephan den Golf fliegen lassen. Das Gedränge zum Beginn sollte man nicht unterschätzen. Deutschland-Hymne vorbei, ready steady, go! Stephan meistert die Aufgabe mit Bravour, keine Berührungen, Unfälle oder Ausfälle trotz der vielen Code-60-Phasen (Low Speed Zonen). Die Anspannung ist noch deutlich in den Gesichtern des Teams zu sehen, entspannt sich jedoch von Minute zu Minute. Alle Mechaniker sind trotzdem jede Sekunde für einen Boxenstop bereit. Die Rundenzeiten werden getrackt, der Funkemfpang zum Fahrer passt.

Jeder Fahrer darf planmäßig 1,5 Stunden am Steuer bleiben. Ein ungeplanter Stop ist erst einmal nicht nötig. 8 Runden später wird der erste Boxenstop angekündigt, alle bereiten sich vor. 2 Minuten für Reifenwechseln, Druckmessen, Scheibenputzen, Fahrerwechsel und Tanken. Alles klappt wie am Schnürchen. Stephan ist glücklich, nun darf Marco das Steuer übernehmen. Die Stunden vergehen, die Rundenzeiten werden besser.

Langsam wird es dunkel, als der Golf unplanmäßig in die Box geholt wird. Es gibt Vibrationen am Lenkrad. Bremsen und Spuren müssen geprüft werden, Sicherheit geht vor. Es ist jedoch nach kurzer Durchsicht klar: alles so wie es sein sollte – es kann weiter gehen. Die Stunden vergehen, bis es dann gegen 2 Uhr nachts erst leicht, dann immer heftiger anfängt zu regnen. Regenreifen rauf, weiter geht`s, aber bitte mit Vorsicht. Unsere Rennpiloten schlagen sich super bei diesen extremen Verhältnissen. Es hört wieder auf zu regnen, es fängt wieder an, nur wie sieht’s auf der Nordschleife aus? Bekannterweise sind die Wetterverhältnisse von Sektion zu Sektion immer sehr unterschiedlich. Lasse und Niko, die in ständiger Kommunikation zum Fahrer stehen, müssen stetig neue Entscheidungen treffen: welche Reifen aufziehen, reicht das Benzin, wie viele Runden schafft der Fahrer noch?

Michael Brückner – LSR Freunde

Die Nacht zieht vorbei ohne größere Blessuren. Hier eine Schramme rechts, dort eine Beule links, aber nichts Schlimmes. Um 6 Uhr morgens leitet der spektakuläre lila-pinke Himmel den neuen Tag ein, es sieht nach Besserung des Wetters aus. Leider jedoch nix da. Der Regen wird sich bis zum Schluss nicht verziehen, sondern noch einen weiteren Begleiter bekommen: fiesen Bodennebel. Die Sichtverhältnisse verschlimmern sich immer weiter.

Verunfallter TCR – Weiterfahrt nicht möglich

Es ist 10.11 Uhr am Sonntag als die Funknachricht von Andreas eingeht: Einschlag. Weiterfahrt nicht möglich. Was genau ist passiert? Woran liegt es? Warum kann er nicht weiter fahren? Der GPS-Punkt bewegt sich nicht mehr. Das Team ist schockiert. Höhe Klostertal gab es einen unverschuldeten Zusammenprall mit einem Renault Clio hinten rechts, der TCR kommt von der Strecke, die komplette Front mitsamt Kühlern kaputt. Das Wetter und die Nässe einfach zu unberechenbar.
Weiterfahrt unmöglich. Das Auto wird mit Manneskraft in unsere Box geschoben und nun heißt es schnell sein. Die Mechaniker geben ihr Bestes, um alles wieder zu reparieren. Der Anblick lässt allen einen Schauer über den Rücken ziehen. Daumen drücken und schnell sein heißt es nun.

Rennunterbrechung – Rote Flagge

Ob nun Pech im Pech oder doch Glück weiß niemand, als um 11.59 Uhr (nach 21 Stunden Fahrt) die rote Flagge gehisst wird und das komplette Rennen wegen starken Nebels unterbrochen wird. Wir sehen das Gute: Wir bekommen nun zusätzliche Zeit für die Reparatur. Ob das Rennen jedoch weiter fortgeführt werden kann, ist Niemandem auf den Nürburgring zu dem Moment klar. 2 Stunden später dann die News von der Rennleitung: es darf noch einmal weitergehen, die letzten 90 Minuten wird das Rennen fortgeführt. Der Ziellauf wird stattfinden können, WENN der Golf nun wieder fahrbereit ist. Noch bis einige Sekunden vor erneuter Startaufstellung arbeiten unsere Mechaniker unter Hochdruck an der neuen Front. Marco ist bereit. Ist der Golf es auch?




Die letzten 90 Minuten – das Ziel

Und wie bereit der Golf ist. Er fliegt direkt ohne weitere Probleme los, die großen herunterfallenden Brocken der Herzen waren förmlich hörbar.Und nun waren sie da: die tollsten 90 Minuten des Rennens. Welch eine Teamarbeit geleistet wurde. Alle sind so stolz und hoffen inständig, dass Marco und der Golf es bis zum Schluss schaffen. Und wie sie es schaffen! 15.30 Uhr – Marco fährt am Fahrerlager vorbei, die Glücksgefühle in allen Gesichtern sichtbar. Italienische Flaggen werden geschwungen, Marco ist sprachlos. Alle sind sprachlos. Tränen fließen, das Konfetti fliegt. Wir haben es geschafft.

Das sagen unsere Fahrer zum Rennen

Marco: „Dafür dass wir zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammen an der Rennstrecke gewesen sind und das Team durch die vielen Unfälle wirklich vor schwierige Aufgaben gestellt wurde, ist es eine wahnsinnige Leistung, ins Ziel gekommen zu sein. Wir haben uns durch keinen Rückschlag entmutigen lassen. Vielen Dank an alle Beteiligten für dieses unvergessliches Erlebnis.“

Andreas: „Tolles Team mit super Atmosphäre & wirklich ein klasse Auto. Super wie ihr den Golf immer wieder einsatzbereit bekommen habt. Overall: Hat mir sehr großen Spaß gemacht mit allen von euch, eine wirklich klasse Mannschaftsleistung und für mich ein Hammer-Erlebnis.“

Knut: „Obwohl das Fahrzeug erst kurz vorm 24h-Rennen angeliefert wurde, bekamen wir Fahrer während des Trainings und beim Qualifying genug Zeit, um uns bestens mit dem TCR vertraut und zu machen und das Fahrwerk professionell abzustimmen. Man merkte deutlich, dass sich das 24h-Rennen nahezu vollständig zu einem kompromisslosen Vollprofisport entwickelt hat.

In meinem ersten wichtigen 10-Runden-Stint konnte ich nicht eine Runde ohne Code-60-Zone (Low Speed) fahren. Zusätzlich kamen dann noch monsunartiger Regen, aufsteigender Dunst und diverse Unfälle hinzu. Das Team leistete trotz des stetigen Drucks eine super Leistung. Eigentlich endete unser Rennen schon am Sonntag-Mittag, als unser Auto von einem Clio in die Leitplanke geschickt wurde. Durch großartiges Teamwork konnte unser TCR zum Restart bestens vorbereitet in die Startaufstellung gebracht werden und die letzten 90 Minuten fahren.

Alles in allem: eine einzigartige Stimmung, ein klasse Team, super TCR und einfach ein unvergessliches Erlebnis die gesamte Zeit über – vom Adenauer Race Day bis zum Zieleinlauf. Vielen Dank an das Team, das die kompletten 24h alles gegeben hat.“

Die Ergebnisse

24 Stunden voller Hochs und Tiefs, 99 Runden, 13 Boxenstopps später kommt die Nummer 94 ins Ziel – unser VW Golf 7 TCR hat es geschafft. Wir alle haben es geschafft.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Michael Brückner, PW Pictures und Jan Gabel für die tollen Bilder und Videos, die uns noch sehr lange diese tollen Erinnerungen zeigen werden. Schön, euch alle persönlich beim Rennen getroffen zu haben. Generell haben wir uns über jeden einzelnen Besucher in unserer Box gefreut. Eine super Community 🙂

Die Grüne Hölle hat wieder einmal bewiesen, warum sie die härteste und unberechenbarste Strecke der Welt ist. Uns hat es gefallen. Und eins steht fest: Wir sehen uns wieder!

So geht es weiter

Die Erfahrung mit dem TCR von Sharky hat uns wirklich um einiges weiter gebracht, die gewonnen Erfahrungen sind unbezahlbar. Danke Frank für dein Vertrauen! Nun wollen wir uns wieder zu 100% auf unseren #communitypolo konzentrieren, um ihn bald wieder racen zu sehen. #fightbackforthetrack

  1. Henning Flemes
    20. Mai 2018

    Hallo Marco, hallo ans gesamte Team. Eine super Leistung. Herzlichen Glückwunsch dem gesamtem Team vom Renault 5 GT Turbo aus der Youngtimer – Trophy.

    • Lasse @ Offtrack Performance
      30. Mai 2018

      Hallo Henning, vielen Dank für dein super Feedback. Wir sind sehr stolz und freuen uns über so viel positive Resonanz. Jetzt geben wir mit unserem Polo wieder richtig Gas, so dass ihr uns öfter am Ring sehen werdet 🙂 Bis bald und liebe Grüße vom Offtrack Team

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